Meet a Jew – Begegnungen, die wichtig sind
Von Eva Dernóczi
Am 11. März 2026 fand – wie bereits seit mehreren Jahren üblich – erneut eine Begegnung mit Gästen des Projekts „Meet a Jew“ statt, zu der die Courage-AG eingeladen hatte. Die Klasse EH24A, die im Juni ihr Fachabitur absolviert, sowie zwei Klassen des beruflichen Gymnasiums (Jahrgangsstufen 11 und 13) erhielten dabei die Gelegenheit, in einer offenen und angenehmen Atmosphäre mit zwei jüdischen Gästen ins Gespräch zu kommen. Da weltweit nur rund 15,3 Millionen Jüdinnen und Juden leben, ist eine persönliche Begegnung für viele Menschen selten. „Meet a Jew“ möchte Vorurteile abbauen und Wissen über jüdisches Leben in Deutschland vermitteln. Aus Sicherheitsgründen erfährt man vorher weder etwas über den religiösen Hintergrund, den Wohnort noch den Beruf der Gäste – bis zuletzt sind nur ihre Vornamen bekannt. „Meet a Jew war eine wichtige Begegnung, weil man mal direkt mit jüdischen Personen sprechen konnte. So hat man mehr über ihr Leben und ihre Religion gelernt und konnte Vorurteile abbauen!“ – so Maurice (EH24A), seine Klassenkameraden stimmten ihm zu. Abdullah (EH24A) fand die Begegnung sehr interessant und fand es gut, dass es ein sehr offener Kontakt auf Augenhöhe war, Piet stimmte ihm zu und fand gut, Einblicke in das Leben jüdischer Menschen zu bekommen.
Antisemitismus ist omnipräsent
Zu Besuch waren erneut die 57‑jährige Miriam und der 28‑jährige Steve, die bereits vor drei Jahren schon einmal bei uns waren. Steve berichtete, dass er bereits an hunderten von „Meet a Jew“-Begegnungen teilgenommen hat. Miriam berichtete zu Beginn von den „Stolpersteinen“ ihrer Urgroßeltern in Freiburg, die sie mit ihrer Familie bald besuchen will. Der deutsche Künstler Gunter Demnig entwickelte in den 1990er Jahren die Idee zu den Stolpersteinen. Die kleinen Gedenksteine sollen an das Schicksal einzelner jüdischer Menschen erinnern. Überall in Europa erinnern sich Menschen dadurch an verschiedenen Orten an die Opfer des Nationalsozialismus. Miriam sprach offen an, warum sie sich manchmal in Räumen – wie in einem Klassenraum – unwohl fühlt – aus Angst, Opfer eines Anschlags werden zu können. Diese tief verankerte Angst, begleitet sie seit ihrer Kindheit und sei ein Ergebnis des weit verbreiteten Antisemitismus. Sie möchte ihre Identität nicht verstecken, gleichzeitig aber keinen Anfeindungen ausgesetzt sein und erträgt es nur schwer, dass ihre Tochter ihre Davidstern-Kette offen zeigt. Steve trägt, wie er sagte, als „Experiment“ sogar in der Öffentlichkeit eine „Kippa“, um zu testen, ob er Attacken erlebt oder nicht.
Vielfalt im Judentum
Beide Gäste hoben hervor, dass es im Judentum eine große Vielfalt an religiösen Strömungen gibt. Das fand Silas (GI23A) sehr hilfreich, „da es den Unterschied zwischen gläubigen und nicht religiösen Juden verdeutlicht hat.“ Dadurch wurden verschiedene Perspektiven innerhalb des Judentums verständlich. Ihrer Einschätzung nach lebt der Großteil der jüdischen Menschen eher säkular oder liberal. Als problematisch empfinden sie, dass in Filmen häufig ausschließlich streng orthodoxe Jüdinnen und Juden gezeigt werden, obwohl diese in ihren Augen nur eine kleinere Gruppe repräsentieren. Zudem machten sie deutlich, wie viele Fakenews und Mythen über Juden verbreitet werden, aktuell vor allem über die sozialen Medien. Steve erzählte, dass er als Jugendlicher selbst sehr streng religiös lebte, sich inzwischen jedoch als liberal bezeichnen würde. Er schilderte, welche Konflikte durch eine strenge orthodoxe Lebensweise entstehen können, etwa weil jegliche Form von Arbeit am Schabbat verboten ist. Miriam bezeichnete sich als religiös, aber nicht streng orthodox, sie betet jeden Morgen sehr intensiv. Zum Abschluss führten die beiden ein interaktives Spiel durch, bei dem die Schülerinnen und Schüler entscheiden sollten, welche Lebensmittel koscher sind und welche nicht. Ruben (GI25A) fand „Meet a Jew richtig gut, weil es sehr informativ, aber auch lustig war. Beide waren sehr offen und man konnte alles fragen!“ Lukas (GI25A) bestätigte diese Ansicht: „Ich bin zwar mit einer etwas anderen Erwartung und Vorstellung reingestartet, wurde aber positiv überrascht. Man konnte offen alle Fragen stellen und hat gute Antworten bekommen. Es war sehr interessant mehr über das Leben der beiden zu erfahren!“




























