Job Shadowing in Dänemark – Lernen über Grenzen hinweg
von Hanna Wierschem
Pause ist wirklich Pause, Fehler gehören zum Lernen und Lehrkräfte dürfen sich aufs Unterrichten konzentrieren – wie sieht Lehrer*innenalltag in Dänemark aus? Im Rahmen unserer Erasmus-Partnerschaft bot ein Job Shadowing an unserer dänischen Partnerschule Herningsholm die Gelegenheit, genau das herauszufinden.
Auf den ersten Blick läuft in Herningsholm vieles ähnlich wie am Carl-Reuther-Berufskolleg: Junge Menschen lernen einen Beruf, Lehrkräfte begleiten sie auf ihrem Weg und in den Werkstätten wird geplant, ausprobiert und praktisch gearbeitet. Doch schon nach kurzer Zeit wurden Unterschiede sichtbar – manche überraschend, andere nachahmenswert.
Lernen heißt auch, Fehler machen zu dürfen
Besonders spannend war der Blick in den Unterricht. Die beobachteten Unterrichtsstunden waren konsequent problem- und handlungsorientiert gestaltet. Die Lernenden erhielten Raum, eigene Lösungswege zu entwickeln, auszuprobieren – und dabei auch Fehler zu machen.
Bemerkenswert war, mit welcher Gelassenheit sowohl die Lernenden als auch die Lehrkräfte mit diesen Fehlern umgingen. Nicht die schnelle richtige Lösung stand im Mittelpunkt, sondern der Weg dorthin. Es wurde ausprobiert, verändert und weitergearbeitet, bis das Ergebnis zufriedenstellend war. Fehler wurden dabei nicht als Scheitern verstanden, sondern als selbstverständlicher Teil des Lernprozesses.
Ein anderer Blick auf die Aufgaben von Lehrkräften
Während des Job Shadowings durfte ich Lisbeth begleiten. Als Schulbereichsleiterin ist sie für sechs unterschiedliche Berufsgruppen verantwortlich. Anders als vergleichbare Funktionsstellen bei uns unterrichtet sie jedoch nicht. Ihr Arbeitsalltag konzentriert sich vollständig auf die Aufnahme, Verwaltung, Beratung und Begleitung der Schüler*innen. Sie führt Interviews mit allen Bewerber*innen.
Dabei arbeitet sie eng mit den Lehrkräften und Förderpädagog*innen zusammen und sorgt dafür, dass die Lernenden die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Für die Lehrkräfte bedeutet diese klare Aufgabenverteilung vor allem eines: Sie können sich auf ihre pädagogische Kernaufgabe – das Unterrichten und Begleiten von Lernprozessen – konzentrieren. Klassische Verwaltungsaufgaben gehören nicht zu ihrem Tätigkeitsbereich.
Arbeitszeit ist Arbeitszeit – und Pause ist Pause
Auch der Umgang mit Arbeitszeit fiel während des Aufenthalts auf. Während in Deutschland immer wieder über die Erfassung der Arbeitszeit von Lehrkräften diskutiert wird, gehört diese in Dänemark längst zum beruflichen Alltag. Arbeitszeiten werden dokumentiert und geleistete Überstunden durch Freizeit ausgeglichen.
Passend dazu wird auch die Grenze zwischen Arbeits- und Erholungszeit sehr bewusst gezogen. „Wenn Pause ist, ist Pause“ – dieser Grundsatz wird in Herningsholm tatsächlich gelebt. In der Pause wird nicht noch schnell etwas vorbereitet, eine organisatorische Frage geklärt oder die nächste Aufgabe erledigt. Die Pause dient der Erholung und dem gemeinsamen Austausch, beruflich, aber hauptsächlich auch über private Angelegenheiten.
Was zunächst wie eine kleine Besonderheit des dänischen Schulalltags erscheint, hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Arbeitszeit und Erholungszeit werden klar voneinander getrennt – und beides hat seinen festen Platz im Schultag.
Prüfungen: landesweit vergleichbar
Ein weiterer interessanter Einblick ergab sich in der Ausbildung zu/zur Maurer*in. Carsten, der dort als Werkstattlehrer arbeitet und auch schon mit Maurerazubis Hennef besucht hat, erklärte das dänische Prüfungssystem. Zum Abschluss des Schuljahres können Übungs- und Prüfungsaufgaben aus einem nationalen Aufgabenpool abgerufen werden. Dadurch sind die Anforderungen stärker standardisiert und über verschiedene Schulen hinweg vergleichbar.
Gerade im Austausch über solche Strukturen wurde deutlich, wie wertvoll ein Job Shadowing ist: Es geht nicht darum, herauszufinden, welches Schulsystem „besser“ ist. Vielmehr ermöglicht der Blick über die Grenze, vertraute Abläufe neu zu betrachten, andere Lösungswege kennenzulernen und die eigene schulische Praxis zu reflektieren.
Mit neuen Eindrücken zurück nach Hause
Das Job Shadowing in Dänemark war deshalb weit mehr als ein Blick in eine andere Schule. Es war eine Gelegenheit, den eigenen Schulalltag einmal mit anderen Augen zu sehen.
Und vielleicht ist genau das der größte Gewinn eines europäischen Austauschs: zu entdecken, was uns verbindet, neugierig auf Unterschiede zu bleiben und voneinander zu lernen.
Tak for denne gang, Herningsholm – und hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen!















