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Grundstufe Bautechnik: Dänische Maurerinnen und Maurer zu Gast am CRBK

Vom 23. bis 27. Februar 2026 waren 20 angehende Maurerinnen und Maurer unseres Erasmus+ Partners Herningsholm aus Dänemark am CRBK zu Gast. Gemeinsam mit den Auszubildenden der Baugrundstufe arbeiteten sie in einem Peer-Learning-Projekt.

Mit dem Mauerwerksbau als Lernträger stand dabei vor allem die Förderung personaler und interkultureller Kompetenzen im Mittelpunkt. Schon bei der Vorstellung der Projektaufgabe machte Berufsschullehrer und EU-Koordinator Paul Schroeder deutlich, worum es eigentlich ging: „Es geht hier nicht um das Mauern – sondern um Kommunikation und Kooperation.“ Also Schlüsselkompetenzen modernen Arbeitens – unabhängig davon, ob im Handwerk, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor.

Mit einem Bingospiel zum Projektauftakt und der Erarbeitung von Fachvokabular auf Englisch, Deutsch und Dänisch wurde auf beiden Seiten die Hemmschwelle des Kommunizierens in einer Fremdsprache gebrochen. Behilflich dabei war der eigens erstellt KI Assistent Baulingua und natürlich die nonverbale Kommunikation mit Händen und Füßen.

Im Klassenraum lernten die dänischen Auszubildenden zunächst die deutsche Steinformate Maßordnung kennen. Anschließend entwickelten sie gemeinsam mit den heimischen Auszubildenden eine Verbandslösung für das später zu errichtende Mauerstück. Abschließend mussten die heimischen Auszubildende eine anleitende Rolle übernehmen: Das Mauerstück sollte als isometrische Zeichnung händisch dargestellt werden. Das wird in Dänemark nicht gelernt.

In der Bauhalle entstand zielgruppengerechter Englischunterricht für Handwerker zum Anfassen: Alle Werkzeuge und Materialien mussten am Arbeitsplatz bereitgestellt und die Position der Mauerecke maßgenau markiert werden. Danach übernahmen die heimischen Auszubildenden wie angedacht die Führungsrolle. Sie erklärten und demonstrierten, wie der Mörtel angemischt wird, wie und auf welches Maß Steine geschlagen werden und wie sie die erste Schicht setzen. Sie leiteten Arbeitstechniken an, halfen tatkräftig beim Steine setzen und überwachten die Qualität.

So stellten die deutschen Auszubildenden schnell fest, dass ihre dänischen Partner dazu neigten, die Stoßfugen zu breit anzulegen. Ein dänischer Teilnehmer erklärte: „Wir haben uns gerade daran gewöhnt, die Fuge 1,2 Zentimeter breit zu machen – in Deutschland macht ihr aber nur einen Zentimeter. Das ist jetzt schwierig.“

Auch die Konsistenz des Mörtels, die Maßgenauigkeit und das Saugverhalten der Steine und die deutsche Maßordnung erforderten von den Gästen eine gewisse Umstellung. Für die heimischen Auszubildenden bestand die Herausforderung wiederum darin, ihre Arbeitsweisen verständlich zu erklären und flexibel auf ihre Partner einzugehen. „Wir brauchen Englischunterricht.“ forderte Joachim aus dem ersten Lehrjahr. Mehr Motivation für die Berufsschule ist doch kaum zu erreichen!

„Es war spannend zu beobachten, ob und wie sich meine Schülerinnen und Schüler an den Ausbildungsstand, den Charakter und die Arbeitsweise ihrer dänischen Partnerinnen und Partner anpassen“, berichtet Schroeder. Für einige sei genau dieser zwischenmenschliche Aspekt die größte Herausforderung gewesen.

Wie kreativ die Auszubildenden dabei vorgingen, zeigten ihre spontanen Lösungen: „Ich habe hier mit dem Übersetzer eine Anleitung auf Dänisch skizziert“, erklärte Lucy und zeigte auf ihre Notizen. Avdulla ergänzte: „Hier sind die Schichthöhen, damit er sie immer kontrollieren kann.“ und zeigte auf einen eng beschriebenen Mauerstein. Manchmal sorgten unterschiedliche Arbeitsgewohnheiten auch für Überraschungen. „Boah, was soll ich machen? Der richtet jeden Stein mit der Wasserwaage aus“, meinte Sven genervt. Ben und Miguel hatten derweil eine klare Strategie entwickelt: „Wir helfen immer bei den Ecksteinen – und dann mauern sie den Rest.“

Abgerundet wurde das Projekt durch Kleingruppenführungen zwischen den Fundamenten und auf dem Dach des Kölner Doms sowie einen gemeinsamen Besuch in einem Brauhaus. Spätestens an diesem Nachmittag in Köln zeigte sich, dass das Projekt sein Ziel erreicht hatte: junge Menschen zusammenzubringen, sie in ihrer Berufswahl zu bestärken und ihnen einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen – und damit auch zu zeigen, welchen Beitrag das erlernte Handwerk zur eigenen Identität leisten kann.

Material, Werkzeuge und Bewirtung für das Projekt wurden aus den Fördermitteln der Europäischen Union für das Erasmus+ Projekt des Carl-Reuther-Berufskolleg finanziert. Die räumlichen und personellen Ressourcen stellte die Abteilung Bautechnik des CRBK mit Unterstützung der Schulleitung, EU-Koordination und dem Fachpraxisunterricht Ernährung und Versorgung.

Ein Dank gilt den heimischen Ausbildungsunternehmen Kratz Bauunternehmung, Kraus Bauunternehmung und Jochem Schwippert Baugesellschaft, die ihre Auszubildenden für die Teilnahme am Projekt von ihren betrieblichen Aufgaben freistellten.