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Alte Heimat, neue Heimat – SchülerInnen berichten (X)

von Eva Dernóczi

Ali Ahmadi ist 19 Jahre alt und besucht seit 2024 unser Berufskolleg, da er eine Ausbildung zum Tischler absolviert. 2015 kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Die Familie stammt ursprünglich aus Afghanistan. Ihre Flucht führte sie zunächst in den Iran, später über die Türkei und Griechenland nach Deutschland, wo sie schließlich eine neue Heimat fand.

Der Weg nach Deutschland mit Zwischenstationen

Ali wurde im Iran geboren, nachdem seine Familie aus Afghanistan dorthin geflohen war. Viele Afghaninnen und Afghanen suchten bereits seit Jahrzehnten, insbesondere seit dem sowjetischen Einmarsch 1979 und den folgenden Bürgerkriegen, Zuflucht im Nachbarstaat Iran. Seit mehr als 40 Jahren prägen Kriege, politische Instabilität und die Herrschaft der Taliban das Leben in Afghanistan. Das kriegsgebeutelte Land bot vielen Menschen kaum Perspektiven auf Arbeit, Bildung oder ein sicheres Leben. Auch Alis Vater hoffte im Iran auf bessere Lebensbedingungen für seine Familie. Zeitweise kehrte er noch einmal nach Afghanistan zurück, kam jedoch später wieder zu seiner Familie in den Iran. Die Familie lebte dort nahe der türkischen Grenze. Ali spricht bis heute fließend Dari und Farsi. 2015 floh die Familie zu Fuß über die Berge. Viele Afghaninnen und Afghanen lebten zwar bereits seit Jahren im Iran, wurden dort jedoch rechtlich und gesellschaftlich benachteiligt. Auch deshalb entschied sich Alis Familie für die Weiterreise nach Deutschland. Für den damals siebenjährigen Ali fühlte sich die Flucht teilweise wie ein Abenteuer an, vor allem, weil sie häufig nachts unterwegs waren. Heute lebt er mit seinen Eltern, seiner 21-jährigen Schwester und seinem 9-jährigen Bruder in Bornheim und ist froh, in Deutschland leben zu können. Während einige Verwandte in Deutschland, Portugal oder Russland leben, befindet sich der größte Teil der Familie weiterhin im Iran.

Deutschland wurde für ihn zur Heimat

Ali bezeichnet Deutschland als seine Heimat. Da er selbst nie in Afghanistan gelebt hat, fühlt er sich hier zu Hause: „Wir wurden in Deutschland großzügig aufgenommen. Ich lebe und arbeite gerne hier.“ Nach seiner Ankunft besuchte er direkt die zweite Klasse einer Grundschule. „Das war krass. Die Klasse war nett und die Lehrer auch, aber wir lebten in einer Turnhalle mit über 200 anderen Flüchtlingen aus vielen verschiedenen Ländern und ich sprach kein Wort Deutsch.“ Rückblickend beschreibt er diese Zeit als anstrengend. Heute hört man Ali nicht an, dass er nicht in Deutschland geboren wurde. Er spricht akzentfrei Deutsch. Gleichzeitig entstanden durch die beengten Wohnverhältnisse in den Containern, in die seine Familie später zog, enge Freundschaften.

Kulturelle Unterschiede und neue Freundschaften

Ali beschreibt die Unterschiede zwischen Deutschland und seiner früheren Heimat als groß: „Die Kultur ist ganz anders. Die Menschen dort sind oft gastfreundlicher und herzlicher. Aber auch hier in Deutschland sind die Menschen sehr hilfsbereit und loyal. Es dauert nur länger, bis man ihr Vertrauen gewinnt.“ Mit seinem deutschen Chef versteht er sich besonders gut. Für Ali ist er wie ein zweiter Vater, weil das Verhältnis zueinander von großem gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt ist. Diskriminierungen erlebte Ali vor allem im Iran: „Viele Iraner mögen Afghanen nicht, manche hassen sie sogar. Rassismus und Ausgrenzung kannte ich daher schon. In Deutschland habe ich das deutlich seltener erlebt.“ Seine Zeit an der Gesamtschule in Bornheim erinnert er als sehr positiv. Er wurde zum Schülersprecher gewählt, fand seinen bis heute besten Freund und begegnete einer Lehrerin, die für ihn wie eine zweite Mutter wurde. Sie unterstützte ihn bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und half ihm, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Zu Alis Freundeskreis gehören heute Menschen unterschiedlichster Herkunft, darunter Deutsche, Griechen, Russen, Kurden, Türken, Albaner und Afghanen. In seiner Freizeit boxt er in Wesseling beim Verein „Elite Boxen Toumi“. Sein Trainer stammt aus Marokko und ist ein ehemaliger Profi-Boxweltmeister. Er motiviert Ali sehr und trägt dazu bei, dass ihm der Sport großen Spaß macht und er erfolgreich trainiert.